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Aktives Lernen – aktiv am Lernprozess teilnehmen

Aktives Lernen gilt als eine der effektivsten Lernstrategien in Schule, Studium oder bei der Aneignung von neuen Fähigkeiten. Im Gegensatz zum passiven Lernen, bei dem Informationen lediglich durch Zuhören oder Lesen aufgenommen werden, fordert dieser Ansatz die aktive Auseinandersetzung mit dem Lernstoff, um ihn zu verstehen und langfristig im Gedächtnis zu verankern. Was genau aktives Lernen ist, welche Methoden besonders wirksam sind und wie man diese im Lernalltag nutzen kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist Aktives Lernen?

Aktives Lernen (englisch: Active Learning) ist ein didaktischer Ansatz, bei dem Lernende aktiv am Lernprozess beteiligt sind, anstatt Inhalte lediglich passiv aufzunehmen. Im Mittelpunkt stehen Methoden, die zur Reflexion, Problemlösung und eigenständigen Auseinandersetzung mit einem Thema anregen. Dazu gehören unter anderem Diskussionen, Gruppenarbeiten, praktische Übungen, schriftliche Aufgaben und weitere interaktive Lernformen. Durch die aktive Beteiligung vertiefen die Lernenden ihr Verständnis, entwickeln kritisches Denken und können neue Inhalte nachhaltiger verarbeiten.

Fünf Kinder arbeiten an einem Tisch im Team an einer Aufgabe

Kernprinzipien des Aktiven Lernens:

  • Eigenaktivität: Lernen wird als aktiver Prozess verstanden und nicht als reiner Konsum von Informationen. Die Lernenden setzen sich durch Fragen, Problemlösen, Ausprobieren und eigenständiges Denken aktiv mit den Lerninhalten auseinander.
  • Wissenskonstruktion: Neues Wissen entsteht, indem Lernende neue Informationen mit ihrem Vorwissen und ihren bisherigen Erfahrungen verknüpfen. So bauen sie ihr Verständnis Schritt für Schritt auf und erweitern bestehende Wissensstrukturen.
  • Selbststeuerung: Lernende übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess. Sie setzen sich Ziele, planen ihr Vorgehen und reflektieren ihren Lernfortschritt.
  • Fehlerkultur: Fehler werden nicht als Scheitern betrachtet, sondern als wertvolle Lerngelegenheiten. Sie helfen dabei, Missverständnisse aufzudecken, Denkprozesse zu hinterfragen und das Verständnis zu vertiefen.
  • Reflexion: Ein zentraler Bestandteil des Aktiven Lernens ist die regelmäßige Reflexion. Lernende prüfen, was sie verstanden haben, bewerten ihren Lernprozess und setzen sich bewusst mit der Bedeutung und Anwendbarkeit des Gelernten auseinander.

Beispiele für Aktives Lernen:

  • Selbsttests durchführen: Das Wissen über ein bestimmtes Thema aus dem Gedächtnis abrufen und anschließend auf Vollständigkeit und Korrektheit prüfen (Active Recall).
  • Diskussionen und Lerngruppen: In Gruppen über ein Thema diskutieren. Argumente für und gegen eine Position sammeln.
  • Zusammenfassen: Einen Abschnitt mit eigenen Worten zusammenfassen und dabei die wichtigsten Punkte in Stichworten notieren.
  • Mindmaps erstellen: Begriffe und Zusammenhänge grafisch darstellen. Lernstoff wird visuell strukturiert und in Beziehung zueinander gesetzt.
  • Karteikarten mit Selbstabfrage: Lernende erstellen zu einem Text eigene Fragen und beantworten diese selbst. Auch Karteikarten mit Fragen und Antworten eignen sich, um Wissen aktiv abzurufen und langfristig zu speichern.
  • Jemandem etwas erklären: Ein komplexes Thema wird so einfach erklärt, als würde man es einem Laien oder Kind beibringen (Feynman-Methode).
  • Rollenspiele: Das theoretisch Gelernte wird direkt in einer simulierten Praxis angewendet. Durch das aktive Erleben prägen sich Lerninhalte deutlich besser ein als durch reine Theorie.
  • Übungsaufgaben lösen: Das Lösen von Übungsaufgaben ist eine effektive Methode, um Gelerntes dauerhaft im Gedächtnis zu verankern und praktisch anzuwenden.
  • Projektarbeit: Lernende erwerben Wissen selbstständig und praxisnah, indem sie sich über einen längeren Zeitraum mit einer Fragestellung oder einem Thema auseinandersetzen. So können sie beispielsweise im Rahmen einer Forscherwerkstatt naturwissenschaftliche Experimente planen, durchführen und auswerten.

Welche Vorteile hat Aktives Lernen?

Das Konzept des Aktiven Lernens bietet Schülerinnen und Schülern zahlreiche Vorteile. Es verbessert nicht nur das Verständnis von Lerninhalten, die Gedächtnisleistung und die Fähigkeit, Wissen in neuen Situationen anzuwenden. Durch die aktive Auseinandersetzung mit den Lerninhalten werden Informationen zudem nachhaltiger verarbeitet, reflektiert und mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

  • Höhere Motivation: Aktive Beteiligung macht das Lernen oft interessanter und abwechslungsreicher. Lernende erleben häufiger Erfolgserlebnisse und fühlen sich stärker eingebunden. Zudem fördert die Beteiligung am Lernprozess das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und weckt echtes Interesse.
  • Besseres Verständnis: Durch aktives Nachdenken und Anwenden werden Zusammenhänge klarer.
  • Stärkung der Selbstständigkeit: Eigenverantwortliches Arbeiten und kritisches Feedback fördern Selbstvertrauen und Problemlösungskompetenz.
  • Erleichtert den Lerntransfer: Aktives Lernen fördert die Anwendung von Wissen in unterschiedlichen Kontexten. Dadurch können Schülerinnen und Schüler Gelerntes leichter auf neue Situationen und reale Problemstellungen übertragen.
  • Soziale Kompetenzen werden gestärkt: Durch die Zusammenarbeit mit anderen lernen Schülerinnen und Schüler, ihre Ideen auszutauschen, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Dabei vertiefen sie nicht nur ihr Verständnis der Lerninhalte, sondern stärken auch ihre sozialen Kompetenzen.
  • Fördert kritisches Denken: Durch aktives Hinterfragen, Diskutieren und Problemlösen wird die analytische Denkfähigkeit trainiert.
  • Stärkt das Gedächtnis: Beim Aktiven Lernen werden Informationen nicht nur aufgenommen, sondern intensiv verarbeitet. Methoden wie Selbsttests, das Erklären von Lerninhalten oder das Abrufen von Wissen aus dem Gedächtnis fördern die langfristige Speicherung und erleichtern das Erinnern.
  • Höhere Problemlösungskompetenz: Durch das eigenständige Entwickeln von Lösungsansätzen setzen sich Lernende intensiv mit neuen Informationen auseinander und verknüpfen diese mit ihrem vorhandenen Wissen. Dadurch werden kritisches Denken, analytische Fähigkeiten und die Anwendung von Wissen auf neue Situationen gezielt gefördert.

Aktives Lernen eignet sich zudem hervorragend, um ein Growth Mindset (Wachstumsdenken) bei Schülerinnen und Schülern zu fördern. Durch die aktive Auseinandersetzung mit Lerninhalten erfahren sie, dass Fähigkeiten und Kompetenzen durch Anstrengung, geeignete Strategien, konstruktives Feedback und Ausdauer entwickelt werden können. So erkennen sie, dass Lernerfolg nicht allein von angeborenem Talent abhängt, sondern vor allem von Übung, Engagement und der Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.

Aktives Lernen – Bewährte Methoden für die Praxis

Es gibt zahlreiche Methoden des Aktiven Lernens, mit denen sich Schülerinnen und Schüler Wissen eigenständig, forschend und kreativ erschließen können. Im Folgenden stellen wir drei praxiserprobte Ansätze vor, deren Wirksamkeit wissenschaftlich gut belegt ist und die sich im Unterricht besonders bewährt haben.

1. Active Recall (Aktives Erinnern)

Bei der Active Recall Methode werden Informationen aktiv aus dem Gedächtnis abgerufen, ohne dabei Hilfsmittel wie Notizen, Stichworte etc. zu verwenden. Wenn Wissen aktiv abgerufen wird, stärkt das die neuronalen Verbindungen, wodurch es langfristig im Gedächtnis verankert wird und schneller abrufbar ist.

Es gibt verschiedene Wege, Active Recall in den Lernalltag zu integrieren:

  • Karteikarten: Auf der Vorderseite der Karteikarte steht eine Frage oder ein Begriff. Die Antwort wird zunächst aus dem Gedächtnis laut oder schriftlich abgerufen, bevor die Karte umgedreht und die Lösung überprüft wird.
  • Brain Dump: Alles, was man zu einem bestimmten Thema weiß, wird aus dem Gedächtnis auf ein leeres Blatt Papier aufgeschrieben. Diese Methode macht Wissenslücken sofort sichtbar und trainiert die Fähigkeit, Wissen strukturiert aus dem Gedächtnis abzurufen.
  • Teaching-Methode: Inhalte einer anderen Person in einfachen Worten erklären (Feynman-Methode). Dort, wo es nicht gelingt, wird zum Lerninhalt zurückgegangen, das Wissen ergänzt und anschließend nochmals erklärt.
  • Selbsttests: Sich eigene Fragen zum Lernstoff stellen oder Quizfragen aus dem Gedächtnis beantworten. Ebenso eignet sich die Bearbeitung alter Prüfungsaufgaben hervorragend hierfür.

Praktisches Beispiel: Nach dem Lesen eines Kapitels das Buch schließen und die wichtigsten Punkte aufschreiben bzw. den Inhalt in eigenen Worten zusammenfassen.

Lehrer unterstützt zwei Schülerinnen beim Lernen

2. Die Feynman-Methode (Lernen durch Erklären)

Die Feynman-Methode ist eine Lerntechnik, die nach dem Physiker Richard Feynman benannt wurde. Sie basiert auf der Idee, dass echtes Verständnis erst dann erreicht ist, wenn ein Thema einfach und verständlich erklärt werden kann. Bei dieser Methode eignen sich Lernende Wissen an, indem sie das Gelernte in ihren eigenen Worten einer anderen Person oder sich selbst erklären – beispielsweise laut vor dem Spiegel. Dabei werden Wissenslücken und Missverständnisse schnell sichtbar. Die Grundidee der Feynman-Methode lautet: Wenn du etwas nicht einfach erklären kannst, hast du es noch nicht wirklich verstanden. Durch das Erklären in einfacher Sprache wird das Verständnis vertieft und das Gelernte langfristig gefestigt.

Karteikasten in verschiedenen Farben mit Lernkärtchen

Die 4 Schritte der Feynman-Methode:

1. Thema auswählen: Wähle ein Konzept oder Thema aus, das du verstehen möchtest, beispielsweise die Photosynthese.

2. Einfach erklären: Erkläre das Thema so, als würdest du es einem Kind oder einer Person ohne Vorkenntnisse beibringen. Verwende dabei möglichst einfache Sprache und vermeide Fachbegriffe. Falls Fachbegriffe notwendig sind, erkläre sie direkt.

3. Wissenslücken erkennen: Während des Erklärens wirst du schnell feststellen, an welchen Stellen du unsicher bist oder wichtige Details fehlen. Diese Unsicherheiten zeigen dir, wo noch Wissenslücken bestehen.

4. Erklärung überarbeiten und vereinfachen: Kehre zu deinen Lernmaterialien zurück, schließe die erkannten Wissenslücken und formuliere deine Erklärung anschließend noch klarer und einfacher. Wiederhole diesen Prozess so lange, bis du das Thema verständlich und sicher erklären kannst.

Praktisches Beispiel: Du möchtest verstehen, was elektrischer Strom ist. Im Lehrbuch liest du die Definition: „Elektrischer Strom ist die gerichtete Bewegung von Elektronen durch einen Leiter.“ Anstatt diesen Satz nur auswendig zu lernen, versuchst du, ihn mit eigenen Worten zu erklären: „Elektrischer Strom entsteht, wenn sich winzige Teilchen, die Elektronen, durch ein Kabel bewegen. Eine Batterie liefert die Energie, die diese Bewegung antreibt. Dadurch können Geräte wie Lampen oder Handys funktionieren.“ Durch das Erklären in eigenen Worten setzt du dich aktiv mit dem Lernstoff auseinander und vertiefst dein Verständnis.

3. Problemorientiertes Lernen (Problembasiertes Lernen)

Problemorientiertes Lernen ist eine zentrale Methode des Aktiven Lernens, bei der sich Lernende die Inhalte anhand eines konkreten, realen oder realitätsnahen Problems in Kleingruppen erarbeiten. Der Schwerpunkt liegt auf Praxisbezug, Teamarbeit und selbstständiger Recherche.

Kernmerkmale des Problembasierten Lernens:

  • Ausgangspunkt ist ein Problem: Die Lernenden erhalten ein konkretes, praxisnahes Problem aus der realen Welt, für das keine sofort offensichtliche Lösung vorliegt.
  • Selbstgesteuertes Lernen: Die Lernenden entscheiden selbst, welches Wissen sie zur Lösung benötigen und wie sie dabei vorgehen.
  • Aktive Rolle der Lernenden: Sie analysieren, diskutieren, bewerten und entwickeln eigene Lösungsvorschläge. Dabei werden sowohl Problemlöse- als auch Kommunikationskompetenzen gefördert.
  • Lehrkraft als Begleitung: Die Lehrperson tritt in den Hintergrund und unterstützt den Lernprozess als Coach oder Moderator durch gezielte Impulse.

Typischer Ablauf (Phasen):

  1. Problem präsentieren: Die Gruppe wird mit einer realistischen Problemsituation konfrontiert.
  2. Problemanalyse: Der Kern des Problems wird herausgearbeitet. Unklare Begriffe und Sachverhalte werden geklärt. Erste Ideen, Erklärungen und Hypothesen werden gesammelt.
  3. Strukturierung: Die gesammelten Ideen werden geordnet und zusammengeführt.
  4. Lernziele festlegen: Es wird definiert, welches Wissen zur Lösung benötigt wird. Die Gruppe formuliert gezielte Fragen und verteilt Aufgaben für die Recherche.
  5. Selbststudium: Die Lernenden erarbeiten sich das benötigte Wissen eigenständig, z. B. durch Fachbücher, wissenschaftliche Artikel, Datenbanken oder andere geeignete Quellen.
  6. Synthese und Lösung: Die Gruppe kommt wieder zusammen, stellt ihre Ergebnisse vor und diskutiert diese. Anschließend werden die Erkenntnisse zusammengeführt und auf das Problem angewendet, um eine Lösung zu entwickeln.
  7. Reflexion und Evaluation: Abschließend reflektieren die Lernenden den Lösungsweg, die Zusammenarbeit und den Lernerfolg. Dabei wird überprüft, welche Lernziele erreicht wurden und was künftig verbessert werden kann.

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